Opening Long March Canteen

Februar 27, 2012 − by Camilla − in Lifestyle − No Comments

Vorletzten Freitag hat zum Ende der Berlinale eine weitere wohl zukünftige In-Location ihre Pforten geöffnet: die Long March Canteen in Berlin Kreuzberg. Und was der Name verspricht, hält dieses Restaurant auch. In chinesischer Kantinen-Atmosphäre können bekannte und auch ungewöhnliche Speisen geordert werden. Von klassischem Dim Sum bis hin zu gebratenen Hühnerfüßen (eine wirkliche Delikatesse in China) können die Gäste sich quer durch die große Vielfalt der chinesischen Küche essen. Der Vorteil: die Portionen sind nicht übermäßig groß, sodass man mit 3-4 unterschiedlichen kleinen Speisen sehr gut bedient ist.

Der Eingang des Restaurants ist allerdings nicht gerade leicht zu finden. Der vermeidliche Haupteingang am Eck ist von einem Bretterverschlag versperrt und ein Schild weist auf eine spärlich beleuchtete kleinere Tür an der Seite. Diese vermittelt ein typisches Berliner Hintertür-Gefühl und man erwartet anschließend durch eine Küche voll mit chinesischen Köchen gelotst zu werden. Doch kaum öffnet sich die Tür, tritt man in eine neue Welt ein und wird von dem blauen leuchtenden Schriftzuges des Restaurant in Empfang genommen.

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Schummriges Licht dringt durch rasterförmige Sichtgitter aus Holz, die einen ersten Blick in den Gastraum erlauben. Dem Gang folgend entdeckt man durch Bambus-Vorhänge abgetrennt als erstes die Küche. Hier kann man den Köchen im wahrsten Sinne des Wortes über die Schulter schauen und beobachten wie sie die verführerischen Speisen anrichten. Läuft man ein paar Meter weiter wird man auch schon herzlich vom Personal in Empfang genommen. Der Gastraum ist sehr groß und bietet locker Platz für 120 Gäste. Er ist räumlich unterteilt in drei Bereiche – das sogenannte Séparée, die zwar nicht sichtgeschützt sind, dafür aber dafür gemütlich mit glimmenden Leuchten eingerahmt, anschließend die drei herrschaftlichen runden chinesischen Tische und im vorderen Teil die sogenannte “Kantine”. Dort sitzt man auf Bänken an langen dunklen Tischen. Generell ist das gesamte Restaurant sehr spärlich beleuchtet, jedoch nicht zu dunkel. An der Decke befindet sich eine Konstruktion aus alten Holzbalken, die Tische und Stühle wurden extra aus China eingeflogen, die Holzvertäfelungen angefertigt und verkohlt oder dunkel gebeizt. Alles soll möglichst authentisch sein – und doch den Ansprüchen des Berliner Publikums genügen. Der Geräuschpegel erinnert zudem wirklich an eine Kantine – überall wird gesprochen, in der Küche wird fleißig geklappert, es schwirrt fleißiges Personal umher und immer wieder wird einer der Stühle oder Hocker über den Steinfußboden geschoben. Selbst auf der Toilette im Keller wird man von einer Klang-Installation empfangen.

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Im Mittelpunkt des Restaurants steht eine überdimensional groß wirkende Dim Sum Station. Die riesige Abzugshaube trohnt darüber und saugt den vielen Dampf in sich auf. In rotes Licht getaucht werden hier unzählige Dumplings über heißem Wasserdampf gegart und anschließend von den Kellnerinnen mit kleinen Servierwagen an die Tische gefahren. “Die Dumplings servieren wir traditionell nur mit Essig um den eigentlichen Geschmack zu verstärken und nicht mit Soßen zu übertünchen” erklärt uns Johanna, die Geschäftsführerin der Long March Canteen. Soweit, so gut. Nach unzähligen schmackhaften Gängen gibt es endlich das Dessert, auf das meine Tischnachbarin schon so sehnsüchtig wartet. Und auch das ist irgendwie anders, irgendwie chinesischer. Es gibt “The real thing” (die originalen frittierte Bananen) – doch für den Genuss muss man auch was tun. Neben dem Teller mit den heißen Bananenstücken in Zucker gibt es ein Schälchen Eiswasser. Jetzt heißt es mit den Stäbchen die weichen Bananenstücke aufnehmen und kurze Zeit ins Eiswasser halten, sodass die heiße Zuckerschicht karamellisiert. Und anschließend rein in den Mund. Aber aufgepasst, bloß nicht den ganzen Happen, denn im Innern ist die Banane noch glühend heiß. Kein leichtes Vergnügen also, dafür aber umso amüsanter. Schadenfreude, wenn sich der Nachbar etwas doof angestellt hat und sich die Zunge verbrannt hat, ist doch bekanntlich die schönste Freude und das Ganze hat irgendwie einen spaßigen Erlebnis-Charakter. Nach dem Dessert gibt es, wie zu erwarten, chinesischen Birnenschnaps. Das ist eindeutig zu viel für mich, ich schaue mich lieber noch etwas genauer um.

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Das Gesamtkonzept des Ladens ist beeindruckend.
Kaum ein Stück das neu wirkt, alles hat eine ganz eigene und persönliche Ausstrahlung. Ob die chinesische Wandvertäfelung über dem Eingang, das große chinesische Wandbild oder das überall auftauchende dunkel verarbeitete Holz – es stimmt einfach alles. Selbst bei den Uniformen der Kellner und Kellnerinnen wurde ans Detail gedacht. Diese wurden in Anlehnung an chinesische Arbeitskleidung von der Designerin Lisa Burzin entworfen. Es gibt sowohl Jacken als auch – und hier haben wir meinen absoluten Favoriten gefunden – Overalls. Der Stoff erinnert vom Material und vom Muster ein wenig an Geschirrtücher und bricht so ein wenig die militärische Strenge des Schnittes aus. Die Overalls sind unisex, werden allerdings nur von den Frauen getragen. Der Hüftgürtel der Kellnerinnen aus Leder wurde ebenfalls passend produziert (bei Zebra Leder Berlin) und auf der Brust trägt jeder Mitarbeiter anstelle eines Namensschildes ein ledernes Abzeichen der Long March Canteen. Hier wurde auf jedes noch so kleine Detail geachtet und ich muss zugeben, dass wirklich jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter einfach nur gut in der Arbeitskleidung aussieht. So gut, dass ich mir die Designerin schnappe und frage, ob ich nicht auch einen Overall bekommen könne. Sie erzählt mir, dass ein Teil der Uniform noch fehlen würde. Das klassische Halstuch. Ein Halstuch? “Ja, das hat in China einen besonderen Zweck! Wenn Gäste den Tisch verlassen dient das Halstuch dazu, den Tisch einmal abzuwischen, oder sollte ein Glas nicht glänzen, dann wird es kurzerhand zum Polieren genutzt.”, erklärt sie mir. “Außerdem sieht es einfach gut aus!” – ich glaube ihr aufs Wort. Nicht zuletzt, weil mir der talentierte Designer Hien Le versichert, dass es so ist. Dieser ist nämlich auch Gast bei der Eröffnung. Und nicht nur er, im Schutz des schwachen Lichts versteckt sich das ein oder andere bekannte Gesicht. Aber ich habe keine Lust genau hinzusehen. Es ist eh alles viel zu schummrig, zu gemütlich, zu persönlich. Man lässt sich treiben in ein kleines Stück China in Berlin. Es ist in schönes Erlebnis, es wird nicht das letzte sein.

Long March Canteen
Wrangelstraße 20
Kreuzberg, Berlin
www.longmarchcanteen.de
Mo-Sa ab 18 Uhr geöffnet

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